Wie können Möbel das Raumklima beeinflussen?

In vielen Plattenbauten herrscht ein unausgeglichenes Raumklima: Hohe Luftfeuchtigkeit und schlechte Luftzirkulation fördern Schimmel, während zu trockene Luft die Schleimhäute reizt und gesundheitliche Beschwerden verursachen kann. Verantwortlich sind vor allem dichte Gebäudehüllen, fehlende Lüftungssysteme und der großflächige Einsatz von Beton – alles Kennzeichen des industrialisierten Wohnungsbaus der Nachkriegszeit.
Hier setzt das Projekt Platte für Platte an. Es erforscht, wie sich das Raumklima in Plattenbauwohnungen mithilfe des natürlichen Baustoffs Lehm verbessern lässt – ganz ohne Eingriffe in die Gebäudestruktur. Statt als klassischer Wandputz kommt der Lehm in Form von Platten zum Einsatz, die in ein modulares Möbelsystem integriert sind. Sie regulieren die Luftfeuchtigkeit auf natürliche Weise, indem sie Feuchtigkeit aus der Raumluft aufnehmen und bei Bedarf wieder abgeben. Das Ziel ist ein angenehmeres und stabileres Raumklima.
Die Lehmplatten bestehen aus ungebranntem Lehm und werden mit natürlichen Materialien wie Jute, Schafswolle oder Zellulose armiert. Spezielle Oberflächenbehandlungen sorgen für Stabilität und Alltagstauglichkeit, ohne die Recyclingfähigkeit zu beeinträchtigen. Durch die modulare Bauweise lässt sich das System flexibel in die typisierten Grundrisse der Plattenbautypen P2 und Q6 integrieren. Platte für Platte ist der Versuch den Bestand nicht nur zu bewahren, sondern weiterzudenken.

Supervisor(s)

Prof. Barbara Schmidt, Prof. Dr. Zane Berzina, Prof. Steffen Schuhmann, Prof. Jakob Timpe