09. April 2026, 9:30 Uhr

Aula, weiĂźensee kunsthochschule berlin, BĂĽhringstraĂźe 20, 13086 Berlin

Am dritten Nachhaltigkeitstag der weißensee kunsthochschule berlin richtet das greenlab – Labor für nachhaltige Designstrategien das Symposium re:lokal – Kreisläufe schließen aus. Es bildet den Auftakt des gleichnamigen interdisziplinären Entwurfsprojekts, das sich mit der Frage auseinandersetzt, wie regionale Ressourcen und Produktionsweisen zu zukunftsfähigen, kreislauforientierten Wirtschafts- und Lebensmodellen beitragen können.

Vor dem Hintergrund unseres Stoffwechsels mit der Welt und der Transformation unseres Wirtschaftens in eine Kreislaufwirtschaft kann Designer:innen eine tragende Rolle zukommen, indem sie die Produktkultur von morgen von Grund auf gestalten, beginnend mit der Nutzung von Ressourcen. So richtet das Symposium den Blick auf lokale und regionale Potenziale: Welche Rohstoffe stehen uns in unserem unmittelbaren Umfeld zur Verfügung? Wie können Materialien in Kreisläufen gedacht, Abfälle als Ressourcen genutzt und Produktionsprozesse dezentral organisiert werden? Und welche Rolle kommt der Gestaltung dabei zu, neue Formen von Selbstwirksamkeit, Gemeinschaft und Verantwortung zu ermöglichen?

Entlang der drei Schwerpunkte Zellulose, Wolle und Mikroorganismen diskutieren Expert:innen aus Gestaltung, Forschung und Praxis ihre Ansätze. Dabei reicht das Spektrum von Paludikultur und der Nutzung pflanzlicher Rohstoffe über neue Prozesse für bislang ungenutzte lokale Wolle bis hin zur Arbeit mit Mikroorganismen in Fermentation, Färbung und Materialentwicklung.

Das Symposium ist öffentlich. Alle Interessierten sind herzlich willkommen. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist jedoch erforderlich.


Zur Anmeldung geht es hier

Sprecher:innen

Jasmin Jouhar – Moderation

Dr. Angelika Richter – Eröffnung

Agora Agrar

Katharina van Bronswijk

Bettina Tacke

Swantje Furtak

Dr. Ing. Steffi Silbermann

Esther Kaya Stögerer & Jannis Kempkens

Johanna Hehemeyer-CĂĽrten

Maxie GrĂĽter

Fabienne Rako

Maxi Nicoletta Kneiseler & Katja Schmidt

Mareen Baumeister

Malu LĂĽcking

Birke Weber

Emma Sicher

Programm

9:30: Willkommen, Jasmin Jouhar

9:35: Eröffnung, Dr. Angelika Richter

9:40: tba, Sprecher:in von Agora Agrar

10:00: Jenseits (naiver) Hoffnung – Zuversicht in der Krisenpermanenz, Katharina van Bronswijk

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Zellulose

10:20: tba, Bettina Tacke

10:35: tba, Swantje Furtak

10:50:  Experimentelle Materialforschung mit regionaler Strauchweide, Dr. Ing. Steffi Silbermann

11:05: Potenzialerschließung zellulosischer Nebenströme, Esther Stögerer & Jannis Kempkens

11:20: Eigenschaften und Potenziale von Kiefernrinde, Johanna Hehemeyer-CĂĽrten

11:35: Podiumsdiskussion

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12:05: Mittagspause

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Wolle

13:20: tba, Maxie GrĂĽter

13:40: Unter Schafen: Potenziale fetthaltiger Wollvliesstoffe in der zirkulären Entwicklung, Fabienne Rako

13:50: warm, Maxi Nicoletta Kneiseler & Katja Schmidt

14:00: Robotisches Filzen – systematische Potentiale digitaler Handwerkstraditionen, Mareen Baumeister

14:10: Podiumsdiskussion

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14:40: Kaffee-/Teepause

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Mikroorganismen

15:00: Mikroalgen: Materielle Beziehungen und spekulative ZukĂĽnfte, Malu LĂĽcking

15:20: Die farbige Welt der Pilze, Birke Weber

15:40: Mikroorganismen als VerbĂĽndete fĂĽr die bioregionale Resilienz, Emma Sicher (EN)

15:40: Podiumsdiskussion

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16:10: Ende

Ăśber die Sprecher:innen

Moderation

Jasmin Jouhar

freiberufliche Journalistin

Biografie

tba

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Sprecher:in von Agora Agrar

Agora Agrar

Biografie & Vortrag

tba

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Katharina van Bronswijk

Psychologists/Psychotherapists for Future e.V.

Biografie

Katharina van Bronswijk ist Psychologin und als Psychotherapeutin in eigener Praxis tätig. Sie ist seit 2009 im Klimaschutz aktiv und als Sprecherin der Psychologists and Psychotherapists for Future gut vertraut mit den komplexen Zusammenhängen zwischen Umweltkrisen und Psycholgie. Dazu ist sie als Dozentin und Autorin tätig.

Vortrag

Jenseits (naiver) Hoffnung – Zuversicht in der Krisenpermanenz

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Die ökologischen Krisen und sozialen Ungerechtigkeiten machen aber durchaus manchmal hoffnungslos. Um in dieser Welt der Multi-Krisen resilient zu bleiben und im besten Fall auch glĂĽcklich zu leben, braucht es Zuversicht. Psychologin Katharina van Bronswijk gibt Einblick in psychologische Forschung und erkundet in Ihrem Vortrag, welche Einstellungen uns in aktuellen Zeiten helfen können.

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Bettina Tacke

Biografie & Vortrag

tba

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Swantje Furtak

Biografie & Vortrag

tba

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Dr. Ing. Steffi Silbermann

Forschungsplattform Bau Kunst Erfinden, Universität Kassel

Biografie

Steffi Silbermann studierte bis 2009 Produktdesign an der Kunsthochschule Berlin WeiĂźensee. FrĂĽh fokussierte sie auf die Gestaltung von Materialien und Prozessen vor den Produkten. Nach Auslandsaufenthalten u.a. in Island und Indien wurde sie Teil der Forschungsplattform Bau Kunst Erfinden am Institut fĂĽr Architektur der Universität Kassel. Seit 2014 erforscht sie dort die Herstellung endloser Weidenholzfäden und ihre Anwendbarkeit in textilen Strukturen an der Schnittstelle von Gestaltung und Ingenieurwissenschaften. 2025 promovierte sie.

Vortrag

Experimentelle Materialforschung mit regionaler Strauchweide

Statt in der Gestaltung von Produkten aufzugehen fand ich mich vielmehr von den dafĂĽr notwendigen Materialien angezogen. Wo kommen sie her? Welche Verfahren und Werkzeuge stehen wieund warum mit welchen Materialien in Zusammenhang? In meiner Diplomarbeit entdeckte ich regionale Strauchweide des Oderbruch als Material und sah in daraus geflochtenen Körben gekrĂĽmmte textile Holzflächen mit hohem funktionalem und ästhetischem Potenzial. Nach breiten experimentellen Studien an der Kunsthochschule kam ich 2014 an die Universität Kassel, um das Thema wissenschaftlich zu erforschen. Wie verpackt man die Forschungsideen in einen erfolgreichen Drittmittelantrag? Wie bekommt man die Gestaltungin die ingenieurwissenschaftliche Forschung? Und warum dauert alles so lange? Der Vortrag zeigt zum einen meine Entwicklung aus dem Produktdesign in die Wissenschaft und zum anderen die auf diesem Weg entstandenen Ergebnisse, von der ersten textilen Weidenrutenfläche ĂĽber den Endlosfadenund seine Maschinen bis hin zum Formteil und den aktuellen Stand der Strauchweidenforschung.

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Esther Kaya Stögerer & Jannis Kempkens

weiĂźensee kunsthochschule berlin

Biografie

Esther Kaya Stögerer und Jannis Kempkens, sind Absolventinnen der weißensee kunsthochschule berlin und sind als künstlerische Mitarbeiterinnen Teil des Forschungsclusters DXM. Im Rahmen des Forschungsprojekts LignoLight, arbeiten sie mit einem interdisziplinären Netzwerk an der Entwicklung von Materialien und Produkten auf Basis von Lignin. Zusammen mit anderen Designer*innen gründeten sie Circology, ein Designstudio für Materialforschung und zirkuläres Design.

Vortrag

Wie lassen sich Nebenströme der Zelluloseindustrie nutzen, um den gespeicherten Kohlenstoff in Produkten zu binden? Wir geben Einblick in unsere aktuellen Arbeiten innerhalb des Forschungsprojekts LignoLight, in dem Materialien und Produkte auf Basis von Lignin, einem Nebenprodukt der Zellulose- und Bioethanolproduktion, entwickelt werden. Im Gegensatz zur aktuellen thermischen Verwertung des Rohstoffs, wird Lignin in LignoLight materiell genutzt und in der Produktion von Materialien für die Möbel- und Modeindustrie eingesetzt. Durch eine hochwertige materielle Nutzung in der Herstellung von modularen Möbelbauteilen sowie Schuhkomponenten kann der im Lignin enthaltene Kohlenstoff so langfristig gebunden werden. Die entstehenden Materialfügungen und Produkte sind nach Gebrauch sortenrein trennbar und können durch Rückführungssysteme durch Partnerfirmen wiederverwendet oder recycelt werden.

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Johanna Hehemeyer-CĂĽrten

Max-Planck Institut fĂĽr Kolloid- und Grenzflächenforschung (Abteilung Biomaterialien), Exzellenzcluster Matters of Activity (Humboldt Universität zu Berlin), Universität Salzburg (Abteilung Chemie und Physik der Materialien)

Biografie

Johanna Hehemeyer-CĂĽrten ist Mode- und Materialdesignerin. Sie studierte am Maastricht Institute of Arts sowie an der KHB Weissensee und schloss 2021 mit einem Master in Modedesign ab. Derzeit arbeitet sie an einer Dissertation zu Eigenschaften und Potenzialen der Rinde der Waldkiefer, mit Fokus auf Falten, Verbindungstechniken sowie Farbextraktion und -synthese.

Vortrag

Eigenschaften und Potenziale von Kiefernrinde

Revaluating Pine Bark ist ein interdisziplinäres Forschungsprojekt, das die Eigenschaften und Nutzungspotenziale von Kiefernrinde untersucht, einem bislang wenig beachteten Nebenprodukt der Holzindustrie. Das Material wird in einer Kombination aus Grundlagenforschung und Design erforscht und umfasst die Analyse der strukturellen Zusammensetzung von Kiefernrinde sowie Untersuchungen zur Materialverarbeitung und Formfindung. Im Rahmen eines materialbasierten Designansatzes wird das Material nicht als eine zu kontrollierende Ressource verstanden, sondern als Träger von Qualitäten, Narrativen und potenziellen Nutzungsmöglichkeiten.

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Maxie GrĂĽter

Biografie & Vortrag

tba

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Fabienne Rako

Fachhochschule Potsdam

Biographie

Fabienne Rako schloss 2023 ihr Produktdesign Studium mit dem Schwerpunkt Nachhaltige Produktentwicklung an der Kunsthochschule in Kassel ab. In ihrer Abschlussarbeit Unter Schafen untersuchte sie die Qualitäten von wollfetthaltigen Vliesstoffen und entwickelte ein technisches Textil mit vorteilhaften gesundheitlichen Eigenschaften. Seit 2024 arbeitet sie als Akademische MitarbeiterinimTextile& Designan der FH Potsdam, wo sie fĂĽr die Lehre im Bereich der Textiltechnologien zuständig ist und neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit auch fĂĽr die Organisation und Betreuung des Textil Labs

Vortrag

Unter Schafen: Potenziale fetthaltiger Wollvliesstoffe in der zirkulären Entwicklung

Der Vortrag gibt einen Einblick in die Forschung zu fetthaltigen Wollvliesstoffen (FatTex) und geht auf die gewonnenen Erkenntnisse der letzten drei Jahre ein. Ausgangspunkt stellt die Abschlussarbeit Unter Schafen (2023) dar, in der neue Nutzungsperspektiven für einen vermeintlich wertlos geglaubten Rohstoff - deutsche Wolle - zuerst experimentell skizziert und schließlich praktisch erprobt und untersucht wurden. Der Vortrag erzählt von den zahlreichen positiven ökologischen Vorteilen, die Schafe auf die Umwelt haben, hinterfragt politische Regularien im Umgang mit Schafwolle hierzulande und geht auf die Entwicklung neuer Stoffkreisläufe ein.

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Maxi Nicoletta Kneiseler & Katja Schmidt

weiĂźensee kunsthochschule berlin

Biografien

Maxi Nicoletta Kneiseler: Ich bin 23, Produktdesign-Studentin an der weißensee kunsthochschule berlin. Im Zentrum meiner Arbeit steht das Experimentieren mit Materialien und Prozessen. Ich lege vor allem großen Wert auf nachhaltige Designlösungen.

Katja Schmidt: Ich bin Textil- und Materialdesign-Studentin an der weißensee kunsthochschule berlin und an der Schnittstelle von kultureller Bildung und Nachhaltigkeit im Bereich Textil tätig, wobei meine Arbeitsweise meist kollaborativ/partizipativ und praxisorientiert ist.

Vortrag

warm

Im greenlab 2025 Co-Habitation Transforming Spaces haben wir (Camilla Hein, Maxi Nicoletta Kneiseler, Leon Meree, Katja Schmidt) uns mit der Fragestellung, wie lokale Wolle zur Verbesserung der Lebensqualität obdachloser Menschen beitragen kann, auseinandergesetzt. Unser Projekt verbindet aktuelle Nachhaltigkeitsthemen mit sozialen Fragestellungen aus Berlin/Brandenburg. Wolle wärmt, isoliert, düngt, bindet Schadstoffe und absorbiert Schall. Dennoch werden in Brandenburg jährlich 290 t Schafwolle ungenutzt entsorgt. Gleichzeitig leben tausende Menschen in Berlin ohne festen Wohnsitz. Kann diese Wolle obdachlosen Menschen Wärme und Schutz bieten? Mit regionaler Wolle erforschten wir Hand- und Roboterfilztechniken und führten Filzworkshops bei der Bahnhofsmission durch, um den emotionalen und praktischen Wert der Wolle besser zu verstehen. Entstanden ist eine tragbare Filzmatte, mit multifunktionaler Einsetzbarkeit für obdachlose Menschen und eine Sammlung wertvollen Wissens über regionale Wolle.

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Mareen Baumeister

weiĂźensee kunsthochschule berlin

Biografie

Mareen Baumeister ist eine Designerin an der Schnittstelle von Ökologie, Handwerk und Technologie. Sie untersucht, wie die Intelligenz von Materialien selbst das Design leiten kann, indem sie versteckte Potenziale von Materialien, Produktionsprozessen und Wertschöpfungsketten erschließt. Neben der Arbeit an ihren eigenen, international ausgezeichneten und ausgestellten Projekten lehrt sie als künstlerische Mitarbeiterin in den Fachbereichen Produktdesign sowie Textil- und Materialdesign.

Vortrag

Robotisches Filzen – systemische Potentiale digitaler Handwerkstraditionen

Die Wolle einheimischer Schafe, die hauptsächlich zur Landschaftspflege gehalten werden, wird trotz ihrer hervorragenden Eigenschaften derzeit vor allem entsorgt. Ihre grobe Faserqualitäten machen sie für körpernahe Anwendungen weniger geeignet und die Infrastruktur für ihre Verarbeitung fehlt. Der Vortrag gibt einen Einblick, wie neue Anwendungsmöglichkeiten durch traditionelle und moderne Verarbeitungsmethoden eröffnet werden können. Der Fokus liegt dabei darauf, wie fast vergessene Techniken des Filzhandwerks und digitale robotische Fertigung sich gegenseitig befruchten können, um neue ästhetische und funktionale Möglichkeiten zu eröffnen. Der Vortrag geht der Frage nach, wie Filz als natürliches Monomaterial, durch Diversität in den Faserqualitäten und in der Verarbeitung selbst, vielseitig wird.

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Malu LĂĽcking

Politecnico di Milano

Biografie

Malu Lücking ist Designerin und Forscherin und erkundet, wie Design durch Biodesign und interdisziplinäre Zusammenarbeit mit marinen Ökosystemen in Dialog treten kann. Ihre Arbeit konzentriert sich auf algenbasierte Materialien und spekulative Interventionen, die kreative Praxis mit Meereswissenschaft verbinden. Sie promoviert am Politecnico di Milano und erforscht das materielle und räumliche Potenzial des Meeres als Gestaltungsraum.

Vortrag

Mikroalgen: Materielle Beziehungen und spekulative ZukĂĽnfte

Algen gehören zu den ältesten Lebensformen der Erde, doch ihr Potenzial für Design und Innovation bleibt weitgehend ungenutzt. Diese Präsentation erkundet die außergewöhnlichen Fähigkeiten von Mikroalgen — mikroskopisch kleine Organismen, die über die Hälfte unseres planetaren Sauerstoffs produzieren und vielversprechende Ansätze für ökologische Herausforderungen bieten. Anhand zweier Projekte zeigt der Vortrag, wie Designer mit lebenden Systemen arbeiten können, um neue materielle Beziehungen und spekulative Zukünfte zu schaffen. Remote Symbiosis untersucht die biolumineszenten Eigenschaften von Dinoflagellaten durch einen interaktiven Vorhang. Menschliche Berührung löst leuchtende Reaktionen der Algen aus und schafft einen spielerischen Artendialog. Landless Food betrachtet Mikroalgen als Akteure der Geschmacksregeneration in einer unsicheren Klimazukunft. Während Biodiversitätsverlust vertraute Aromen bedroht, spekuliert diese Arbeit darüber, wie kultivierte Mikroalgen verlorene Geschmäcker bewahren, nachbilden oder neu denken könnten.

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Birke Weber

Technische Universität Berlin, weißensee kunsthochschule berlin

Biografie

Birke ist Textil-und Materialdesignerin, ihre Arbeit konzentriert sich auf pilzbasierte Farbstoffe und deren biotechnologische Herstellung sowie Anwendung in nachhaltigen Material- und Textilsystemen an der Schnittstelle von Wissenschaft und Design.

Vortrag

Die farbige Welt der Pilze

Unser bunter Planet brachte drei groĂźe Organismenreiche hervor: Flora, Fauna und Funga. Funga? Tatsächlich ist die Welt der Pilze in ihrer Vielfalt an Erscheinungsformen und Funktionen dem Auge zwar nur zum kleinen Teil sichtbar, fĂĽr die Entstehung und das Zusammenwirken der natĂĽrlichen Elemente jedoch fundamental. Heutzutage bietet sie sogar zahlreiche Möglichkeiten, um die schädliche und zerstörerische Dynamik unserer industriellen Produktionsweisen aufzuhalten. Mein Vortrag gibt euch einen Einblick in meine Forschung. Sie widmet sich den verschiedenen Möglichkeiten, aus Pilzen Farbstoffe fĂĽr Textilien zu gewinnen, die synthetische Farben mit schädlichen Nebenwirkungen ersetzen können. Dabei liegt der Fokus auf der Entwicklung ökologischer Extraktion-und Färbeverfahren, als auch das kontrollierbare Wachstum von Myzelien im Bioreaktor. Ziel ist eine stetig wachsende Farbpalette, die auch auf andere Materialien ĂĽbertragbar ist. 

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Emma Sicher

IMD Institut für Material Design – HfG Offenbach am Main, Exzellenzcluster Matters of Activity (Humboldt Universität zu Berlin)

Biografie

Emma Sicher ist Designerin, Fermenterin und TEDx-Sprecherin und beschäftigt sich mit Materialien und Lebensmitteln, die mit Mikroorganismen hergestellt werden. Sie arbeitete an Projekten, die international ausgestellt wurden, darunter im Vitra Design Museum und im V&A Dundee. Derzeit ist sie mit der HfG Offenbach am Main und dem Exzellenzcluster Matters of Activity an der HU Berlin in Deutschland verbunden. Ihre Doktorarbeit verbindet Design, Mikrobiologie und Feldforschung mit dem Ziel, Biodiversität und situative Ansätze im Biodesign in den Vordergrund zu rücken.

Vortrag

Mikroorganismen als VerbĂĽndete fĂĽr die bioregionale Resilienz

Dieser Vortrag befasst sich mit Biodesign, einem Bereich, in dem Designer mit Mikroorganismen zusammenarbeiten, um Materialien zu züchten, die mit den Zyklen der Biosphäre im Einklang stehen. Designer beschäftigen sich mit lebenden mikrobiellen Materialien und arbeiten an der Schnittstelle zwischen technologischer Innovation, Materialeigenschaften und sinnvollen Anwendungen, wobei sie in ständigem Dialog mit widerspenstigen mikrobiellen Wirkstoffen stehen. Während sich die aktuellen Bemühungen weitgehend auf Verpackungen, Mode und temporäre Architektur konzentrieren und sich oft noch in der Forschungs- oder Prototypenphase befinden, zeigen situative Perspektiven neue/alte Wege auf, um die gesellschaftlichen, ökologischen und kulturellen Auswirkungen zu erweitern. Anhand von zwei Fallstudien, nämlich Pilzwachstum und bakterielle Zellulosefermentation, veranschaulicht der Vortrag, wie Biodesign die bioregionale Resilienz durch fermentierte Lebensmittel und Materialien fördern kann, die mit lokal gewonnenen Mikroben und Pflanzen gezüchtet werden. Auf diese Weise unterstützt es die Schaffung adaptiver Produktionsmodelle und wird zu einer Plattform für Synergien zwischen Designern, Forschern und lokalen Interessengruppen, die ortsbezogene Praktiken fördern, bei denen Biodiversität, regionale Besonderheiten und situatives Wissen im Vordergrund stehen.

Dank

greenlab dankt seinen Partner:innen und Sponsor:innen fĂĽr die UnterstĂĽtzung dieses Symposiums: PreuĂźenquelle und der weiĂźensee kunsthochschule berlin